Immer noch bereit, für nur eine Sekunde glücklich fühlen alles zu geben





Wie ich Abends
panisch 
 meine letzten Pillen 
zusammen kratze, 
wie 
meine Laune 
plötzlich sinkt,
 als ich merke, 
dass
 ich
 für Morgen 
weniger Pillen
 als sonst habe,
 merke ich, 
dass nicht ich die Sucht kontrolliere,
 sondern die Sucht mich. 




I don’t want to have the world’s attention. Yours is enough.






Wir stehen wieder an deiner Heizung, 
so wie im letzten Winter, 
und du erzählst mir 
mit strahlenden Augen 
von dem Adventskalender, 
den ich dir vor Tagen
 als Überraschung 
vor die Tür gestellt habe.
 Ich verliere mich 
in deinen glänzenden braunen Augen 
und weiß, 
dass mir kein Preis zu hoch ist, 
dich glücklich zu sehen. 
Kurz nach null Uhr
 machen wir zusammen 
das nächste Türchen des Kalenders auf
 und rauchen dabei einen. 
Passend dazu fängt es an zu schneien.
 Alles um uns herum 
ist 
weiß
 und ich muss daran denken,
 dass es unser zweiter Winter zusammen ist.
 In diesen Jahren ist so viel vorgefallen.
 Und auch wenn ich mein Leben verabscheue,
wäre ich noch viel tiefer in ein Loch gefallen, 
wenn ich deine Worte nicht gehabt hätte.
Wir kuscheln uns in dein Bett
 und ich spüre
deinen warmem Körper
 neben meinen.
Wie du mir ein Kuss
auf die Stirn
gibst
und nur leise eine gute Nacht flüsterst,
merke ich
das ich mich bei dir
 mehr zuhause fühle,
 als in unserem kalten Haus,
wo der verbrannte Geruch
nach zerrüttelter Familie,
mir ständig in die Nase steigt,
 wenn ich gerade versucht habe,
all das zu verdrängen,
was mich tiefen traurig macht.
Neben dir
holen
 mich
keine schrecklichen Träume
heim
und als ich am späten Vormittag
wach werde
 und dich als erstes sehe,
ist all die erdrückende Müdigkeit
nicht mehr so schlimm.
 Du machst uns Kaffee
 und ich schau dabei
 verschlafen
auf die weißen Straßen.
Als du mir den Kaffee reichst
 und mich dabei anlächelst,
spüre ich eine Verbundenheit,
die hoffentlich nie vergeht.
 We are the poisoned youth




I knew I would fuck this up






Meine Diagnose ist
Magen und Darm, 
doch auch nur, 
weil ich so viele 
kleine Einzelheiten
verschweige. 
Für mich ist die Diagnose:
In zu großer Not 
zu viele Abführmittel 
mit Alkohol geschluckt
und nun rächt sich mein Körper 
an mir. 
Mein Körper 
zeigt 
mir den Mittelfinger, 
was ich ihn nicht verübeln kann. 
Alles schmerzt, 
mir ist übel 
und ich muss kotzen.
Alles dreht sich
und alles nur, 
wegen meinen
Gefühl 
 viel zu viel zu sein.
In meinen Hungerwahn
würde ich alles tun
um nicht zuzunehmen.
Und mir ist egal, 
welcher Preis 
mein Körper 
dafür zahlt.
Mir ist alles so egal. 
Ich will einfach nur 
irgendwas im Griff haben, 
aber das einzige was ich 
ganz fest im Griff habe, 
ist der Alkohol in meiner Hand.
Dieses Jahr schenkt mir nichts,
außer die große Dunkelheit, 
wo sich die bösen Gefühle 
versteckt halten, 
um mich genau 
in den falschen Momenten 
zu erschrecken 
und zu überwältigen.




Echt Zeit zu gehen





Zwischen ständiger Übelkeit,
vor allem nach dem Essen,
 und Abführmittel 
fühle ich mich kraftloser 
den je, 
obwohl das gar nicht sein kann, 
weil ich viel zu viel auf den Rippen habe. 
Ich schleppe mich nur noch
 von Tag zu Tag
 und falle
 wieder tiefer
 in das Loch, 
was sich Essstörung nennt.
 Ich kann
 mich nicht mehr so
 ertragen 
und 
wie sollen das dann andere tun?
 Wie kann M. 
mich angucken,
 ohne das überschüssige Fett
 an meinen Körper zu sehen?
 Ich möchte nicht 
ständig dieses Gefühl haben
 einfach zu viel zu sein. 
Ich sehne mich wieder nach der Zeit, 
wo ich für andere Leute
 viel zu wenig wog, 
auch wenn ich weiß, 
dass es falsch ist so zu denken. 
Ich weiß,
 dass es ganz normal ist, 
wenn man mal zunimmt. 
Aber bei mir 
ist das ein 
ständiges auf und ab.
 Mein Leben besteht 
ständig
 nur aus 
ganz viel abnehmen 
und ganz viel zunehmen.
 Mein Körper rächt sich 
und ich habe auch 
oft das Gefühl, 
dass er so wie ich, 
aufgeben will.
 Ich bin jetzt 22 Jahre
 und ich sehne mich immer noch
 nach mehreren Tage
 ohne essen. 
Ich bin gefangen
 in dieser Krankheit, 
auch
 wenn mein Körper 
das nach außen nicht ausstrahlt.
 Ich kann diese Krankheit,
 aber auch nicht loslassen.
 Es ist ein Teufelskreis, 
der mich schon
 mein halbes Leben begleitet. 
Ich kenne 
von meiner Kindheit
 nur eins 
und zwar fressen. 
Und von meiner Jugend 
kenne ich nur hungern.
 Wie soll ich da ein Mittelweg finden, ohne mich selbst dafür zu hassen?





Gib mir mehr von dem, was du Liebe nennst. Auch wenn es keine Liebe ist, ich liebe es.






Ich wünsche mir 
noch mehr 
Sonntage 
mit dir, 
wo wir viel 
zu früh wach werden
und darüber meckern, 
dass die Kinder 
draußen 
viel zu laut sind 
oder das die Sonne 
zu hell 
in dein Schlafzimmer scheint. 
Ich möchte noch mehr Zeit 
mit dir in deinem Bett verbringen
und beim einschlafen
dein Herzschlag 
hören. 
Ich möchte 
noch so oft 
spüren, 
wie du dich 
an mich kuschelst, 
deine Arme um mich legst, 
mir ein Kuss 
auf die Stirn gibst
um dann wieder 
seelenruhig 
einzuschlafen.
Selbst
wenn du 
so laut 
schnarcht, 
möchte ich deine Anwesenheit 
neben mir, 
nicht missen. 
Ich möchte noch 
mehrere Momente 
mit dir teilen, 
wo wir nach den aufwachen,
noch stundenlang 
im Bett liegen bleiben, 
weil zu müde 
und zu faul sind, 
aufzustehen. 
Selbst wenn ich morgens
kaum ein Wort rausbringe, 
schaffst du es irgendwie,
dass ich reden kann, 
ohne das es anstrengend wird.
Ich möchte noch so oft 
mit dir völlig übermüdet 
Kaffee trinken 
und darüber 
reden, 
wie schön der letzte Abend
doch war. 
Ich möchte so viel,
aber ich erwarte nicht viel. 
Meine Erwartungen an dich 
sind so niedrig wie nie, 
ich möchte einfach nur das du bleibst. 




Die Frage ist, ob man lebt oder lediglich am Leben bleibt





Ich weiß nicht 
wie es 
Menschen 
schaffen 
ihre Gefühle 
nicht ständig 
zu verdrängen. 
Wie halten sie das aus
ständig 
diese Welle 
von Unsicherheit, 
Angst, Panik, 
Schmerz,
Scham,
Traurigkeit
und Wut 
zu spüren?
Ich weiß nur, 
wenn die Gefühle
trotz des ständigen verdrängen 
und/oder 
betäuben,
trotzdem schaffen 
sich in mein Herz 
zu schleichen,
werde ich verwundbar, 
so unendlich verwundbar. 
All diese Tränen,
die ich nie zulassen möchte,
kommen zum Vorschein 
und ich bin dann nichts mehr,
außer eine Welle  
voller Emotionen,
die ich eigentlich 
nicht 
ertrage.
Ich weiß, 
dass Gefühle 
eigentlich nichts schlimmes ist, 
das sie uns nur zeigen, 
dass man am leben ist, 
aber genau das möchte ich nicht.
Ich möchte nicht am leben sein.
Ich habe all das überlebt, 
was mich töten sollte
und genau das
ertrage 
ich 
nicht 
an 
solchen Nächten.
Auch wenn ich glaube, 
dass der Tod 
nur 
ein 
ewiges Nichts ist,
ist es mir noch lieber
als dieses Leben zu führen.
Die Narben auf meiner Haut 
zeigen mir 
nur noch mehr, 
dass ich eigentlich 
nicht mehr hier sein sollte. 
Wie kann man ein Leben führen, 
was man eigentlich nicht haben möchte? 
Wie soll man leben? 
Ja, ich habe überlebt, 
aber um welchen Preis?
Der Preis davon 
ist 
nur 
ein Haufen 
Schmerz,
Scham 
und 
Angst. 
Und ich weiß nicht 
wie lange 
ich 
das 
noch 
ertrage.



Ich habe mit ihm geschlafen, sagte sie, aber ich weiß nicht wie sich das anfühlt wenn man liebt






"Du bist am Ende angekommen, mit meinem Herzen in deinen Händen. Ich danke dir dafür. Für unsere sichere Ankunft. Dafür das du behutsam gewesen bist mit diesem empfindlichsten Teil von mir. Setz dich, hole tief Luft. Du musst erschöpft sein. Lass mich deine Hände küssen, deine Augen. Die werden sich nach etwas süßes sehnen. Ich sende dir all meinen Zucker. Ich wäre nichts und ich wäre nirgends hätte ich nicht dich. Du hast mir geholfen die Frau zu werden, die ich sein wollte. Die zu sein ich mich aber nicht traute. Weißt du eigentlich was für ein Wunder du bist? Wie wunderbar das war und wie wunderbar es für mich immer bleiben wird. Ich knie vor dir nieder zum dank an dich. Ich sende deinen Augen meine liebe. Mögen sie immer das gute in den Menschen sehen und mögest du immer barmherzig sein. Mögen wir beide uns als eines sehen. Möge uns niemals die Liebe fehlen zu allem was das Universum uns zu bieten hat. Und mögen wir trotzdem immer auf der Erde bleiben, unsere Wurzeln behalten und mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen."
- Ein Ausschnitt aus Milk and honey von Rupi Kaur